Elberadweg - März 2014


von Schöna bis Dessau auf dem Elberadweg

Wir haben umgesattelt: von nun an erfahren wir die Welt auf 2 Rädern und berichten nachfolgend von unserer ersten 7-Tages-Tour entlang des Elberadwegs. Insgesamt 350 km haben wir uns für den Anfang zugemutet und wissen nun fürs nächste Mal: das war zu wenig.

Dies sind unsere Kameraden.

Nachdem der März in den letzten beiden Wochen eine einzige warme Frühlingsexplosion war, freuen wir uns nun, die neuen Tourenräder durch den für unsere Biker-Woche vorhergesagten Schnee und Regen entlang der Elbe zu lenken und sind heilfroh, dass uns diese herrlich warme, wunderbare, wohltuende Sonne der letzten Woche nicht beim Radeln stört! Den Ehrentitel "harte Sau" werden wir uns zu verdienen wissen und das Glas Wein gegen eine Tasse Glühwein eintauschen.

Fahrradlenkertasche mit Kameraeinsatz
mein Herz schlägt vor Glück!

Gelegentlich werde ich die Lenkradtasche mit der Kamera öffnen und hoffen, dass das Objektiv nicht sofort ertrinkt. Dann nämlich können wir Euch auch ein paar Fotos zeigen...

Kameraausrüstung für den Elberadweg
550D statt 6D - Weitwinkel statt Tele

Doch hört hört: wir sind noch nicht ganz weg, da gibt es schon die erste gute Nachricht: es wird doch nicht schneien. Nur stürmen...! Wir entscheiden uns für das leichte Gepäck.

Erste Etappe: von Esch aus in die City um 21h


Wir beginnen die Tour mit 14 km zum Hauptbahnhof, nehmen den Nachtzug nach leider nicht Lissabon sondern an die tschechische Grenze nach Schöna, wo wir, sollte uns kein Schneegestöber aufhalten, morgens ankommen werden.

 

Der Plan: Wir lassen es dann gemütlich angehen, frühstücken ausgiebig im Warmen und schnallen uns dann die Funktionskleidung (und die Schwimmflügel) um. Erste Etappe: das nächste Café! Und so weiter und so weiter...

In der Reihenfolge der Fotos:
Erstes Etappenziel: Kölner Hauptbahnhof
Erstes B & B (Bahnhof und Bier)
Zweites B & B (Bier und Bettchen)... der Nachtzug rollt

 

Der 1. Tag


Schöna - Dresden

Die Pläne sind vergessen, wir begegnen der Realität: es PLÄSTERT, sobald wir aus dem Zug stolpern...! Ohne jede Chance auf Frühstück kämpfen wir uns 52 km lang gegen des Teufels feuchten Gegenwind. Wo auch immer wir hinfahren: er ist gegen uns. Auf jeden dummen Spruch unsererseits antwortet er mit einer Sturmböe seinerseits.

 

Wir halten den Mund und gehen endlich Kuchen essen - das passt im übrigen ziemlich gut mit Fahrradfahren zusammen. Während wir also Dresdner Eierschecke probieren, haben sich unsere Räder draußen sehr warm und lieb.

 

Später am Nachmittag klart der Himmel auf. Doch das sei mehr Schein als Sein, der Wind bläst dafür noch mal so stark. Im ersten von 30 Gängen tun wir so, als ginge uns das alles nichts an. Ankunft Dresden: wir kriechen in die Sauna des besten Hotels am Platz und schlafen bereits um 22h den Schlaf der Betäubten.

 

Der 2. Tag


28 km im 1. Gang von immer noch 30 Gängen, dann haben wir die Faxen dicke. Eine Frau hat´s vom Rad geweht (und die Frau war nicht Sandra) - ansonsten fällt auf, dass wir nicht nur die einzigen Radfahrer (bis auf s.o.) sondern auch noch in die falsche Richtung unterwegs sind.

 

Wind aus Nordwest - ratet mal, wohin wir fahren??? (Tipp: es ist nicht Südost). So, und nun findet den Fehler... richtig, Wind ist falsch. Es ist Sturm! Der Titel "harte Sau" ist uns zu weich geworden. Wir nennen uns fortan "die Sturmschlampen".

 

Der 3. und 4. Tag


Meißen -> Torgau

Übernachtungs-Tipp: Alter Elbehof in Werdau bei Torgau

www.elbehof-torgau.de

Der 3. Tag: sehr durchwachsen... wir meinen nicht das Wetter, eher die Emotionslage. Wir bewegen uns zwischen Meißen und Torgau. Nachdem wir zum ersten Mal ganze 20 km windfrei und über lange Straßen fahren durften, merken wir, wie schön Fahrradfahren eigentlich ist. Wir fahren 33km in der Stunde und niemand versucht uns davon abzuhalten. Wir hören das wum-wum-wum der Reifen auf dem Asphalt, wir hören die Umgebunsgeräusche statt im Windgetöse eingeschlossen zu sein und plötzlich juchzt es aus uns heraus.

 

Nach 32km glücklichen Kilometern die erste Pause, die Stimmung hält an, auch, als der Wind wieder zunimmt. Wir schalten die Gänge zurück und konzentrieren uns geduldig auf die kleinen Umdrehungen der Pedale. Das ist Hingabe in das Hier und Jetzt.

 

Doch dann wird aus Wind wieder Sturm, führen die Straßen nicht mehr durch idyllische Orte sondern über offenes Feld und aus meditativer Hingabe wird meditative Wut (s. Foto). Genug. Blutlecken lassen und dann wieder nicht von der Stelle kommen? Sandra wachsen Hörner, sie steigt demonstrativ und zutiefst beleidigt ab - sie hätte das Rad am liebsten in den... hm, ja... in den Wind geschossen. Die Tour endet nach 55 km.

 

Während Sandra auf ihrer Biker-Jungfernfahrt also ihr erstes Frusterlebnis hat und sich unter der Dusche einschließt, behält der raderfahrende Patrick seine Laune, erkundet noch ein bisschen die Umgebung und als sein Instinkt ihn warnt, die Ruine, in der er steht, könne brüchig sein, versinkt er auch schon halbseitig im Keller. Er schafft es gerade noch heraus, ansonsten hätte man ihn wohl lange suchen müssen. War gar nicht mal so witzig.

Tags darauf hat sich das innere und äußere Wetter wieder beruhigt, gelegentlich schaffen wir es auf 28 km/h und das soll uns genug sein. Kleiner Mann schubst wieder große Boote und das Navi führt uns durch die Pampa wie ein alter Hase. Wir sind wieder dabei...

 

 

Der 5. Tag


Pretzsch -> Elster -> Wittenberg

Tipp: Hotel Elbromantik in Elster

www.hotel-elbromantik.de 

 

Den gestrigen Tag ignorieren wir - er hat nicht gehalten, was die Wettervorschau versprach. Einzig erwähnenswert sei, dass wir in der Zeit gereist sind. Highlight des Parkhotels in Pretzsch: der begnadete Koch.

Der nächste Tag: wir sitzen auf der herrlichen Terrasse des Elb-Romantikhotels in Elster und weigern uns weiter zu fahren: weder regnet es, noch stürmt oder hagelt es. Nur warme Sonne, Kaffee und Crepes mit Vanilleeis. Wir brauchen Gegner, keine Opfer. Also planen wir unsere nächste Tour: Schweden im Dezember. Statt Hotels => Zelt. Ultraleicht-Schlafsäcke und Carbon-Salzstreuer...

 

(...)

 

SPAAASS!!! Wir bleiben schön in der Sonne sitzen und weigern uns beharrlich weiter, bis der Abend hereinbricht. Pech, wenn man der Sonne nur die eine Gesichtshälfte entgegenhält und dann auch noch standhaft cool mit Brille auf der Nase :).

Der 7. und letzte Tag


Der letzte sonnige Tag, dann die Rückreise mit dem Zug und die Ankunft in Köln-Esch. Bleibt ein Resumée zu ziehen:

 

1. die Sachsen sind unglaublich freundliche Menschen mit Bodenhaftung

2. die Rheinauen sind ein kleiner Witz im Vergleich zu den nimmerendenwollenden Elbauen

3. die Städte, Häuser und Gebäude sind eine Augenweide

4. fahre den Elbweg niemals stromabwärts, die Winde sind mit denen, die stromaufwärts fahren

5. Radfahren macht frei

6. Wenn man einmal fährt, will man einfach immer weiter fahren, bis zum Rande der Welt

7. Radfahren macht stramme Waden, kräftige Oberschenkel und hungrig: wollen wir Frauen das?

8. wir liken den Osten Deutschlands!

 

Und nun simmer wieder da und freuen uns, dass Ihr uns noch nicht ausgebuht habt.

 

ganz liebe Grüße

Eure Sandra & Patrick

 


Kommentare: 1
  • #1

    Rene (Donnerstag, 27 März 2014 12:34)

    Der Osten blüht! Zum einen hätte ich nicht damit gerechnet, dass Sandra sich zu einer Fahrradtour hinreissen lässt. Zum anderen sind das wunderbare Eindrücke, die ihr mit uns teilt. TOLLE BILDER!