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Corona und wie es uns ergeht

2020 kam ganz anders als luftig geplant. Zum ersten Mal hatten wir es geschafft, einen Hochzeitsjahresplan aufzustellen, der uns regelmäßig Luft erlaubte bei einer gleichzeitig ausgewogenen Auftragslage.  Auf diese Weise würden sich problemlos spontane Shootings einbauen lassen, ohne dass die Nachbearbeitung der Bilder dadurch ins Stocken geraten würde.

 

Und dann kam Corona mitsamt 3-monatigem lock-down und fegte uns den Tisch von einem Moment auf den anderen leer.

 

Plötzlich war mehr Luft da als jemals gedacht, und weniger Geld als ursprünglich eingeplant. Letzteres jedoch hat uns Gott sei Dank nicht an die Wand gespielt während es ohnehin kaum Gelegenheit gab, irgendein Geld auszugeben. Der gebuchte Urlaub verfiel zu Staub (und Gott sei Dank zurück in Asche – Anzahlungen wurden uns zurückerstattet).

 

Also blieben wir zuhause und erlebten eine ganz wundersame neue Stille. Die Straßen waren wie ausgestorben, das Telefon blieb ruhig, im email-Kasten landeten nur zögerlich die Anfragen, wir konnten beim besten Willen nichts tun, hätten wir es auch noch so gewollt. Und da kam diese wichtige Zeit auf fürs Loslassen, fürs Nachdenken, fürs Nachspüren, für was anderes.

 

Wir begannen uns nachhaltig tiefenwirksam zu erholen, weil uns überhaupt erst auffiel, wie überarbeitet wir waren. Wir genossen die Stille der Welt um uns herum, den eingestellten Konsum, das Wegfallen des alltäglichen Entscheidungentreffenmüssens, denn es gab nichts zu entscheiden.

 

Das permanent im Unterbewusstsein lauernde schlechte Gewissen, irgendetwas Besonderes tun zu müssen, die Zeit zu nutzen, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die Gegenwart zu optimieren, all das fiel weg - es gab keine Optionen. Stattdessen fuhren wir mit dem Fahrrad herum, aßen wenn wir aßen, saßen wenn wir saßen und entdeckten den großen Garten hinter unserem Haus, für den wir anfingen, uns zu begeistern.

 

Kurz: das erste halbe Jahr entpuppte sich für uns als ein wahrhaftiges Geschenk und dass wir weder finanziell noch gesundheitlich in Not geraten sind (auch dank der staatlichen Unterstützung), ist ebenfalls ein Geschenk.

 

Doch dann kommt das zweite Halbjahr. Der email-Kasten meldet uns jetzt genau das Gegenteil, nämlich: ihr Volumen ist zu 80% erschöpft, bitte löschen Sie emails. Das gabs noch nie. Die einstige luftige Planung steckt im akuten Verkehrsstau und verstopft zunehmend. Ausgefallene Hochzeiten werden nachgeholt, andere Paare, deren Fotograf weggebrochen ist, fragen zusätzlich bei uns an. Es lässt sich so schwer nein sagen, wenn man in große panische Augen guckt. Shootings wollen am liebsten alle sofort nachgeholt werden, man weiß ja nicht, wie es weitergeht mit Corona.

 

Und jetzt ist Herbst. Corona meldet sich mit steigenden Infektionszahlen zurück und damit werden die Maßnahmen erneut verschärft. Die letzte Hochzeit hat es gerade noch geschafft, die nächsten werden wieder ausfallen müssen. Was tun uns unsere Paare leid.

 

Noch stehen Businessshootings auf dem Programm, aber alle zittern, ob es dabei bleiben wird. Zögerlich tasten wir uns von Tag zu Tag, jederzeit bereit, eine Planänderung hinzunehmen. Froh um jede Rechnung, die wir noch rausschicken können, aber die emails werden schon wieder weniger. 

 

Dass Verlässlichkeit in der Planung inzwischen relativ ist, ist in Ordnung. Wir wollen gesund bleiben, denn wenn die Freundin an Corona erkrankt und erzählt, dass sie noch nie etwas Schlimmeres erlebt hat, dann möchten wir wirklich gesund bleiben. Und längst betreffen die Corona-Krankmeldungen nicht mehr nur die Fremden im Weitweitweg.

 

Wir geben uns den Strömungen hin und sind gespannt, wieviel freie Zeit im Advent dieses Jahr drin ist. Wer weiß, vielleicht werden ja ausnahmsweise mal wieder alle Geschenke selbst gebastelt - wie in guten alten Tagen? Und vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht.

 

Allen Menschen, die wirtschaftlich in Not geraten, wünschen wir fruchtbare Ideen, wie ihr euch neu aufstellen könnt. Für alle, die gesundheitlich in Not geraten, wünschen wir schnellste Gesundung. Für alle, die unter der sozialen Isolation oder häuslichen Überlastung leiden, wünschen wir einen Raum im Innern, in den Ihr Euch in allem Frieden flüchten könnt.

 

Dass die Leute jetzt schon wieder das Klopapier mit dem Stapler aus dem Supermarkt rausfahren, ist für uns ok. Wir glauben nämlich daran, dass der Mensch im Zweifelsfall doch eher Wasser und Nahrung braucht - und dafür halten wir uns ein Plätzchen im Keller frei.

 


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